Vor 25 Jahren platzte die Dotcom-Blase – Parallelen zu heute?
Trump bleibt mit seiner Zollattacke auf Kurs: Heute Abend um 22:00 Uhr will er zum „Liberation Day“ reziproke Zölle bekannt geben und sich wohl mit dem Rest der Wirtschaftswelt anlegen. Unser gestern angekündigter Börsenzoll auf US-Aktien war nur ein Aprilscherz. Schon jetzt trifft es die Automobilindustrie weltweit, allen voran aber die deutschen Premiummarken Mercedes, BMW, Volkswagen und Porsche. 25 Prozent Zoll ab 3. April auf alle Autoimporte und Autoteile, die in die USA eingeführt werden. Das Ziel ist klar, die Produktion und Wertschöpfung soll zukünftig in die USA verlagert werden.
Die Märkte zeigen sich stark verunsichert, weil nun ein offener Handelskrieg mit der EU und dem Rest der Welt droht und die US-Zollpolitik auch zu negativen Folgen für das eigene Land führen wird. Der Konsum wird leiden, die Preise werden steigen und damit wird die Inflation erneut angeheizt. Das ruft wiederum die FED auf den Plan, der Zinssenkungsprozess könnte sich verlangsamen bzw. die Zinsen am Markt wieder steigen. Goldman Sachs sieht das Rezessionsrisiko für die USA inzwischen bei 35 Prozent.
Einige werden sich noch mit Schrecken daran erinnern. Vor ziemlich genau 25 Jahren platzte die sogenannte Dotcom-Blase. Internetunternehmen mit teilweise fragwürdigen Geschäftsmodellen wurden an den Börsen zu völlig überzogenen Preisen gehandelt und dann kam der große Knall. Der S&P 500 büßte damals von März 2000 bis Oktober 2002 etwa die Hälfte seines Wertes ein. Der Neue Markt in Deutschland brach völlig zusammen und wurde später als Börsensegment sogar eingestellt. Heute richtet sich der Blick auf die KI-Branche. Können NVIDIA & Co. die hochgesteckten Gewinnerwartungen dauerhaft erfüllen oder droht ein ähnliches Schicksal wie vor 25 Jahren?
Das erste Börsen-Quartal 2025 zeigt ein geteiltes Bild. Die US-Aktien liegen bei minus 1,3 Prozent (Dow Jones), minus 5 Prozent (S&P500) und minus 8,25 Prozent (Nasdaq100). DAX und EuroStoxx50 liegen mit 11,3 bzw. 7,2 Prozent im Plus. Größter Profiteur der allgemeinen Verunsicherung ist das Gold. Das Krisenmetall und Währung der letzten Instanz erklimmt fast täglich neue Höchststände. Allein im 1. Quartal erzielte Gold ein Plus von 19 Prozent, in den vergangenen 12 Monaten fast 40 Prozent. Die Marke von 3.000 USD pro Feinunze konnte mühelos am 17. März genommen werden, der Preis liegt aktuell bei 3.129 US-Dollar (12:30 Uhr). Glücklich ist, wer in diesen Tagen etwas Gold besitzt! Investieren können Anleger physisch beim Goldhändler ihres Vertrauens oder über Investmentfonds sowie Exchange Traded Commodities.


Newsletter vom 2. April 2025
Martin Braun, Börse Hannover
